Auto motor und Sport - 16 November 1982 - Heft 23 - Seite 78-81
Ruhe sanft

Test: De Lorean Sports Car

Heckmotor-Sportwagen mit Flügeltüren

Über eines kann sich John Zacharias De Lorean, 57, Gründer der jüngsten Automobilmarke der Welt, nicht beklagen - über die Lieferzeiten für seinen Sportwagen. Von den Bislang rund 7500 bei Belfast in Nordirland produzierten Zweisitzern steht noch etwa die Hälfte auf Halde, der größte Teil davon in jenem Land, für dessen Bewohner das Flügeltüren-Auto überhaupt gebaut wurde, in den USA. Die Produktion ist mittlerweile eingestellt.

Dabei entspricht der De Lorean grundsätzlich ganz sicher dem Geschmack eines großen Teils der amerikanischen Sportwagen-Klientel. Denn wo auch immer der Exote auftaucht erregt er Aufsehen, und das nicht nur wegen seiner von dem italienischen Designer Giugiaro gefällig gezeichneten Form, sondern vor allem wegen des ungewohnten metallenen Glanzes seiner Karosserie - und natörlich wegen der Flügeltüren. Jene nach oben öffnenden Einstiegsluken verfehlen ihre Wirkung nicht: Das Hineinfädeln in einen De Lorean ist meist mit einem Spießrutenlauf verbunden.

Aber nicht nur deshalb ist man bemüht, diesen Kletterakt schnell hinter sich zu bringen. Denn die ungewöhnlich schweren Türen rasten an ihrem oberen Öffnungspunkt nicht ein, sondern pflegen vielmehr ganz leicht, sozusagen bedrohlich, zu wippen. was das Vertrauen in den Hebemechanismus nicht gerade fördert. Erschwerend kommt hinzu, das speziell in jenem bei geöffneten Türen sichtbaren Dachbereich, in dem der Türmechanismus untergebracht ist, die Verarbeitung einen ganz besonders schlechten Eindruck macht.

Mit der Verarbeitungsqualität der auf ein glasfaserverstärktes Kunststoffskelett aufgesetzten nichtrostenden Karosserie ist es aber auch sonst nicht weit her. Mangelhaft gerundete Kanten sowie gelegentlich durch die Törschlitze von oben eindringende, rostfarbene Wassertropfen bei Fahrten im Regen machen das deutlich. Daß die Außenhaut des Wagens besonders in nassem Zustand unsauber wirkt, ist zwar qualitätsunabhängig, stðrt aber das Ästhetische Empfinden.

Wahrzeichen des De Lorean: Flügeltüren Mächtige Möblierung mit viel Leder: Cockpit

Gediegener geht es da schon in dem weitgehend mit feinem Leder ausgeschlagenen und mit bequemen Sitzen versehenen Innenraum zu. Die Ausstattung entspricht amerikanischem Standart: Elektrische Fenterheber, die geradezu lächerlich winzige Scheiben den großen Türfenstern öffnen. gehören ebenso zur Serienausstattung wie Zentralverriegelung, verstellbares Lenkrad, Radio mit Cassettenteil und natürlich eine Klimaanlage.

Daß man sich im De Lorean eingemauert fühlt, hängt aucht mit der zu knapp bemessenen Innenraumhöhe zusammen. Trotz tiefer Sitzposition bleibt selbst Normalgewachsenen Personen ein Dachkontakt mit dem Kopf auf schlechten Kurvenreichen Straßen nicht erspart. Beeinträchtigt wird das Wohlbehagen in noch stärkerem Maß jedoch von den unbefriedigenden Sichtverhältnissen nach vorn und hinten, die den Umgang mit dem Coupé beträchtlich erschweren.

Der eingeschränkte Blick zurück wäre zumindest beim Fahren weniger störend, wenn man im De Lorean nicht so viel Rücksicht auf nachfolgende Verkehrsteinehmer bei Einfädel- und Ausschermanövern nehmen müsste. Mit überlegenen Fahrleistungen könnte dieses Handicap zumindest teilweise wettgemacht werden, aber dazu ist der ansonsten in braven Limousinen wie dem Renault 30 oder Peugot 604 eingesetzte französische Sechzylinder nicht in der Lage. Das im De Lorean nur 132 PS (97KW) leistende, V-fðrmige Einspritztriebwerk mit 2.8 Liter Hubraum muß sich kräfig ins Zeug legen, um den immerhin 1268 Kilogramm wiegenden Flügeltürer einigermaßen zügig in Trab zu bringen. Gemessen an seiner Form ist der De Lorean schlicht flügellahm: Beschleunigungsduelle mit sportlichen Limousinen vom Schlage eines Golf GTI sind daher tunlichst zu vermeiden.

Aber auch in anderer Art und Weise trägt der langweilige Sechzylinder dazu bei, daß sich in dem flachen Zweisitzer kein rechter Fahrspaß einstellen will. Denn er gibt sich betont unsportlich, dreht nur äußerst unwillig über 5000 Touren und kann auch mit seiner monotonen Geräuschentwicklung keine Agilität suggerieren.

Eher auf ihre Kosten kommen sportlich orientierte Fahrer bei der Bedienung. Kupplungs- und Bremspedal mössen kräftig getreten werden, ähnlich man das von Klassikern unter den hochkarätigen Sportwagen gewohnt ist. Auch die Lenkung erfordert trotz Servounterstützung bei Rangiermanövern, die durch den großen Wendekreis (13,2m) zusätzlich erschwert werden, kräftiges Zupacken. Tadellos funktioniert dagegen die exakte Schaltung des mit langem Schongang bestückten Fünfganggetriebes.

Mit unsportlicher Charakteristik: Sechszylinder-Heckmotor Schlechte Verarbeitung bei den Türscharnieren

Fahrwerksseitig weiß der De Lorean am besten zu gefallen. Unter Mitwirkung des Lotus-Ingenieure ist es gelungen, dem Heckmotorauto eine gute Straßenlage anzuerziehen und den Grenzbereich, in dem sich konzeptionsbedingtes übersteueren einstellt, in relativ hohe Kurvengeschwindigkeits-Bereiche zu verlagern. Daß er kleine Fahrbahnunebenheiten vor allem bei geringer Geschwindigkeit ziemlich ungefiltert an die Passagiere weitergibt, könnte man einem vollblütigen Sportwagen verzeihen, beim De Lorean fällt es schwer.

Insgesamt stellt der von seinem Schðpfer mit vielversprechenden Vorschußlorbeeren bedachte De Lorean eine entäuschende Kreation dar. Bei nüchterner Betrachtung und unter Einbeziehung namhafter und habhafter Konkurrenten gibt es kaum Argumente, die für ihn sprechen. Genau genommen bleibt da nur seine Orginalität übrig - und das ist in Anbetracht des stolzen Kaufpreises von 74797 Mark herzlich wenig.

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