Auto motor und Sport - 16 November 1982 - Heft 23 - Seite 81
Vom Traum zum Alptraum

"Der Markt auf den wir es abgesehen haben ist nicht preis-, sondern qualitäts- empfindlich. Und da bieten wir das Maximum." Solche Töne aus der De Lorean-Zentrale in New York verraten Selbstbewußtsein. Damit ist John Z. De Lorean, 57, reichlich ausgestattet: 1973 quittierte er seinen 650 000 Dollar-Job als Vizepräsident bei General Motors, wo er innerhalb von 17 Jahren vom Ingenieur bis zum Boss der Division Cevrolet aufgestiegen war. Der eitle, sich mit vorliebe wie ein Dressman kleidende Sohn eines Gießereiarbeiters hatte während seiner GM-Zeit unter anderem för die sportlichen Chevrolet-Modelle Corvette und Camaro mitverantwortlich gezeichnet. Sein Abschiedsgeschenk reichte er nach: In dem Buch "On a clear day you can see General Motors" warf er seinen Kollegen im 14. Stock der GM-Zentrale in Detroit 25 Jahre technischen Tiefschlaf und Entscheidungsunfähigkeit vor. Vergrämt war De Lorean wohl vor allem, weil er seinem Traumsportwagen bei GM nicht bauen durfte. Den realisierte er dann auf eigene Faust: Vom Ersparten wurde ein Prototyp finanziert und zur Begutachtung herumgereicht. Es fanden sich angeblich 300 amerikanische Autohändler, die Vertriebsrechte erwarben und 40 000 feste Bestellungen zusicherten, obwohl kein Mensch den Verkaufspreis kannte. Die Suche nach einer subventionsfreundlichen Regierung zur Errichtung modernster Produktionsstätten endete im Nordirischen Belfast, wo der Arbeitslosenanteil fast 25 Prozent ausmachte. Die zuständige englische Regierung erklärte sich bereit, nicht weniger als umgerechnet 260 Millionen Mark beizusteuern, etwa die hälfte davon - das war ausgemachte Sache - auf Nimmerwiedersehen. Ende 1980 stand die Firma, allerdings ohne investitionsintensive Lackiererei. Die hatte sich De Lorean gespart, er vertraute stattdessen auf rostfreie Karosseriebleche. Die Kapazität der Company: Rund 3000 Arbeiter sollten 30 000 Autos pro Jahr bauen. Der Plan scheiterte, weil der amerikanischen Kundschaft das Coupé mit rund 25 000 Dollar zu teuer und unsolide gebaut ist. Rückrufaktionen und kostspielige Nacharbeiten haben den Ruf des De Lorean-Produkts nachhaltig erschüttert. Und das empfindliche Edelstahlkleid kommt auch nicht mehr an: Die amerikanischen Händler lackieren jetzt die auf den Höfen stehenden Autos. Nach Kurzarbeit, Entlassungen, weiteren Zuschüssen seitens der englischen Regierung (ingesamt 315 Millionen Mark) und Zwangsverwaltung wegen Zahlungsunfähigkeit folgte das endgültige Aus.

Der einen verschwenderischen Lebenstil führende De Lorean, seine Besuche in Belfast pflegte er von New York aus mit der überschallschnellen Concorde abzuwickeln, hätte deshalb freilich nicht darben müssen. Seine dritte und 25 Jahre jüngere Frau soll als Foto-Modell kaum schlechter verdienen als er zu seinen besten GM-Zeiten. Doch sie wird ihm jetzt kaum mehr das Leben versüßen können: Nachdem der Lebemann auf frischer Tat beim Rauschgifthandel ertappt wurde - den Erlös wollte er angeblich zur Rettung seiner Autofirma einsetzen -, drohen ihm nun 15 Jahre hinter Gitter.

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