Auto motor und Sport - 30 Juni 1981 - Heft 13 - Seite 26-30 
Der Aussteiger
Peter Bauer und Uwe Brodbeck über die Autofabrik des ehemaligen General Motors-Vizepräsidenten John Z. DeLorean.

"Dies ist ein Traum, den ich schon seit vielen Jahren habe, nämlich eine kleine, eigene Autofabrik zu besitzen". John Z. DeLorean im Juli 1977

Der Anfang war verwirrend. Erst sollte das Auto in USA vom Stapel laufen, dann in Puerto Rico, und schließlich gelang ihm der große Coup: England sponsorte die DeLorean Motor Company im verarmten Nordirland mit 360 Millionen Mark. John De Lorean, 56 Jahre alt, hatte seinen Traum erfüllt, eine eigene Fabrik zu besitzten.

John Z. Delorean: Der Aussteiger mit dem ersten Sportwagen-Prototyp DMC-12

Die Geschichte begann mit einem spektakulären Ausstieg. Im April 1973 nahm John Zachary De Lorean seinen Hut uns sagte den verdutzten Vorstandskollegen und seinem 650 000 Dollar-Job good-bye: General Motors hatte seinen schillerndsten Manager verloren. Aussteiger De Lorean, den viele schon als späteren GM-Präsidenten gesehen hatten, reizten andere Ziele: "Ich will einen revolutionären Sportwagen entwicklen und einen international operierenden Automobilkonzern aufbauen." Mitte Mai 1981 war es soweit: Eine ausgesuchte Händlergruppe in den USA erhielt die ersten auf die Bezeichnung DMC-12 hðrenden Sportwagen - 11 000 weitere sollen noch in diesem Jahr folgen.

Bis die Geschöpfe des Mr. De Lorean amerikanischen Boden unter die Räder nehmen konnten, hatte der clevere Ex-GM-Manager freilich einiges an Überredungskunst aufbieten mössen. Mit gerade vier Millionen Dollar eigenem Spargeld schaffte er das Kunststück, immerhin 203 Millionen Dollar Fremdkapital zusammenzupumpen. 350 amerikanische Autohändler vertrauten blindlings dem Geschick des ehemaligen Auto-Spitzenmanagers und ließen sich die Vertriebsrechte jeweils zwischen 25 000 und 50 000 Dollar kosten. Risikofreudige Investoren steuerten weitere 12 Millionen Dollar bei. Doch der dicke Brocken kam von der Regierung. Groûbritannien schoß der De Lorean Motor Company mit Hauptsitz in New York Bisher über 180 Millionen Dollar zu.

Der Hintergrund der großzügigen Geste Londons: De Lorean errichtete seine seine supermoderne Fabrik mitten im Niemandsland von Nordirland bei Belfast. Den um Anschluß an Irland kämpfenden Katholiken und den englandtreuen Protestanten versprach er damit Arbeitsplätze. Die 2000 Leute, die bislang för das US-Unternehmen arbeiten, sind exakt nach dem Gleichheitsprinzip zwischen den steitenden Gruppen ausgesucht. Bombenanschläge und Terroristen-Überfälle blieben dennoch nicht aus und sorgten unter anderem för beträchtliche Überschreitung des von De Lorean gesetzten DMC-12 Debüts.

Supermodern: die De Lorean-Fabrik in Nordirland

Der Stand auf dem Automobilsalon in Brimingham im Herbst 1990 war schon gesichert, die Einladungen waren verschickt, und auch das Salon-Komitee hatte das Debüt des neuen Autos ausführlich angekündigt. Am Tag vor der Salonerðffung machte De Lorean jedoch einen Rückzieher; sein Stand blieb leer. Auf dem Automobilsalon in Genf im März 1981 stand dann endlich der mit Flügeltüren bestückte Sportwagen aus Nordirland. John Zachary De Lorean hielt Hof und gab sich optimistisch: "Noch in diesem Jahr werden wir 11 000 bis 12 000 Autos ausliefern." Und Mike Kneeper, der für De Lorean in den USA die Werbetrommel rührt, glaubt für 1982 sogar an 25 000 DMC-12 die vorzugsweise nach Amerika verkauft werden sollen.

Ob sich der flache Sportwagen mit dem von Renault, Volvo und Peugeot gemeinsam entwickelten Sechszylinder-Triebwerk (2,8 Liter Hubraum, 140 PS) so reißend absetzten läßt, ist fraglich. Immerhin müssen für die rund 200 km/h schnelle Flunder, an der auch die britische Sportwagenfirma Lotus und der italienische Maßschneider Giorgio Giugiaro mitgearbeitet haben, 25 000 Dollar hingeblättert werden. "Der Markt, auf den wir es abgesehen haben, ist nicht preis-, sondern qualitätsempfindlich, und da bieten wir ein Maximum", tðnt der Chef selbstbewuût aus seiner New Yorker Schaltzentrale über sein Produkt, das mðglicherweise guten Anklang in der Showbranche findet. De Lorean-Freund Frank Sinatra beispielsweise gab bereits ein gutes Vorbild und orderte gleich zwei Autos.

In Europa wird das Flügeltüren-Coupé vorerst nicht angeboten. "Am liebsten wäre mir dort der Vertrieb durch Peugot, Volvo oder Renault, weil wir den gleichen Motor verwenden wie diese Firmen und auch kein vergleichbares Konkurenzmodell haben", meint der gelernte Ingenieur dazu. Ob die Europäer allerdings anbeißen, wird weitgehend von dem US-Debüt des DMC-12 abhängen. Und in der Bundesrepublik muß De Lorean zuerst den flügeltürenfeindlichen TÜV von der Sicherheit seines Autos überzeugen. Und kaum schipperten die ersten Vorführmodelle aus rostfreiem Stahl über den Atlantik nach Amerika, plant der Sohn eines einfachen Gießers bereits ein ganz neues Automobil: In zwei Jahren soll ein fünfsitziger Wagen mit Flügeltüren (De Lorean: "Diese Türen sind sexy und sicher") von den nordirischen Fließbändern seiner supermodernen Automobilfabrik rollen.

Überholt: das DMC-12 Fahrwerk mit Heckmotor

Auch an noch grðßere Projekte denkt der smarte Manager, dessen Vorliebe für gepflegete Kleidung und schðne Frauen ehemals im GM-Konzern immer wieder Anstoß erregte. Mitten im finsteren Slumgebiet von New York, in der South Bronx, oder in einem Elendsviertel von Miami, will die De Lorean Motor Company eine Bus-Fabrik bauen. "Das ist exakt die gleiche Masche wie in Nordirland", spötelt ein ehemaliger De Lorean Kollege, "die wollen doch nur wieder öffentliche Mittel"

Den 56jährigen Fabikanten, der mit seinem Enthüllungsbuch "On a clear day you can see General Motors" ("An einem klaren Tag kann man GM erkennen"), die GM-Gewaltigen erboste, lassen solche Kritiken ungerührt. "Falls wir geschickt genug sind und hart genug arbeiten, kðnnen wir vieleicht in 15 Jahren ein zweiter BMW-Konzern sein", malt sich De Lorean seine Zukunft in rosigen Bildern aus. Zunächst aber will er Aktien emitieren und an die Börse gehen, um damit einen grðßeren Teil seiner Gläubiger abzufinden.

Ob sein Traum aufgeht, kann nur die Zukunft zeigen. Er jedenfalls sagt über seinen Gegner: "Erst waren sie davon überzeugt, ich würde pleite sein, ehe noch das erste Auto fertig wäre. Jetzt sagen sie voraus, daß ich in zwei Jahren Pleite bin. Solange diese Propheten immer dabei bleiben, mir die Pleite in zwei Jahren vorauszusagen und nicht schon morgen, dürfte ja alles in Ordnung sein."

Aber selbst ein Scheitern des Amerikaners bedeutet für ihn nicht das Armenhaus. Seine dritte Frau Christina Ferrara, 32, ist eines der bekanntesten US-Fotomodelle mit einem Jahreseinkommen von umgerechnet einer halben Millon Mark.

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