AutoBild - 09 Juli 1990 - Heft 28, Seite 28-30
Zurück in die Vergangenheit

Diese Woche startet er wieder auf der Leinwand durch: der DeLorean, die Zeitmaschine aus dem Dreiteiler „Zurück in die Zukunft". Filmfan und AutoBild Redakteur Marcus Efler erfuhr, warum der edle Sportwagen im echten Leben zum Flop wurde.

Offen für ungewöhnliche Ansichten: DeLorean. 10.000 wurden in Irland hergestellt, die Hälfte blieb unverkauft, wurde nach der Pleite von Spekulanten übernommen.

Marty McFly fährt mit ihm. Doc Brown fliegt mit ihm. Biff klaut ihn und bringt ihn zurück. Alles Klar? Dann sind sie ein Kinofan, haben „Zurück in die Zukunft" gesehen, Teil eins und zwei, und können gar nicht abwarten bis diese Woche Teil drei startet. Und natürlich Wissen Sie worum es hier geht: um den DeLorean, jenes Auto das im Film zu Zeitmaschine getuned wurde.

Keine Angst diese Geschichte ist nicht annähernd so verwirrend wie die Filmhandlung. Sie dürfen auch dann weiterlesen wenn sie den Film nicht kennen. Meine Affäre mit dem DeLorean begann im Kino. Dieses Ding wollte ich fahren. Und siehe nach einigen Telefonaten mit der Filmpromotionfirma stand der DeLorean vor der Tür, einer der 14 Wagen gar mit denen der Filme gedreht wurden. Bereinigt um den Plastikzierat, der auf der Leinwand die Zeitreise möglich macht.

Renault-Technik unter der Motorhaube: Das Euro -Triebwerk wird noch heute von französischen Herstellern verwendet

Gut sah er aus, zumindest ungewöhnlich. Schon das die Filmleute so vernünftig sind: Zuerst sollte ein Kühlschrank als Zeitmaschine dienen. Dann fürchteten die Produzenten, daß filmverwirrte Kids in die elterliche Tiefkühltruhe kriechen würden um zu sehen, was passiert. Und das wäre nicht gut gewesen für das Image des Films. Also ein DeLorean. Die Flügeltür schwang nach oben, ich stieg ein und fiel tief. Weit unten landete ich auf dem Fahrersitz, den schon Jungstar Michael J. Fox besessen hatte. Der Hauch Hollywoods umgab mich und schlecht verarbeitetes Leder. Sonst nicht viel. Der DeLorean im Film hat drei atomgetriebene Uhren, der echte nicht mal eine zum Aufzie-hen - nur wenn das Radio aus ist, zeigt das Display die Zeit. Doch wer fahrt schon DeLorean ohne Musik? Schließlich war die Stereoanlage seinerzeit serienmä-ßig. Wie die Klimaanlage (im Testwagen defekt), die Zentralverriegelung (defekt), der Tachometer bis 250 Sa-chen (defekt). 250 Stundenkilometer. Sehr wit-zig. Auf der Autobahn überholten mich vorsichtig sportliche Kompakt-wagen, deren Fahrer respektvoll hin-überblickten, kann er nicht, oder will er nicht schneller? Er kann nicht. 132 PS für 1,26 Tonnen Lebendgewicht - nach meilenweitem Anlauf sind ge-rade 200 Sachen drin, Macht aber nichts, so ein Auto ist fürs Image da.

Ich fuhr also nach Hause, meiner Freundin zu imponieren. Sie beugte sich herunter, streichelte über die unlackierte Nirosta-Karosserie und befand: „Niedlich. Kann der durch die Waschanlage, oder mu8 der in den Geschirrspüler?"

Probleme an der Zapfsäule: Der Tank ist schlecht entlüftet, was eine Benzin- Springflut zur Folge hat - und das im Kofferraum

Beides wäre schlecht. Denn der DeLorean ist nicht ganz dicht. Regnet's, tröpfelt Wasser durchs Dach und durch die Seitenscheiben. Dafür lassen die starren Fenster mit den Mini -Luken kaum Luft ins Innere. Und wenig Sicht nach außen - der DeLorean hat mehr tote Winkel als ein Kleinstadtfriedhof. Dazu eine schwergängige Lenkung und einen Wendekreis, in dem ein Lieferwagen Schleifen drehen könnte. Kurz: Als ich zum Tanken fuhr, hätte ich beinahe eine Zapfsäule gerammt. Und das wäre teuer geworden. Ausbeulen und lackieren funktioniert nicht bei der Edelstahlkarosserie - nur mit einem neuen Kotflügel hätte ich die Panne ausbügeln können.

Luke in den Fenstern: Wegen der Flügeltür--Konstruktion sind die Fenster starr. Die Öffnung taugt nicht mal als Durchreiche im Hamburger-Drive-Inn.

Den Tankstutzen fand ich vorne im Kofferraum. Ich füllte Super bleifrei ein - mög-lich, daß der Katalysator noch funktioniert, und wartete, daß die Zapfpistole abschalten würde. Das tat sie eine halbe Sekunde zu spät. Super bleifrei tränkte den Velours. Wieder unten im Auto, sinnierte ich über Sinn und Zweck eines sol-chen Sportwagens. Benzindämpfe krochen vom Kofferraum durch die Lüftung, die Lenkung quietschte, das Dach lastete auf der Frisur. Der DeLorean, tatsächlich eine Zeitma-schine: Man glaubt einen Wagen aus den Sechzigern zu fahren; obwohl die Technik Ideen durchaus den Neunzigern entstammen könnten. Kein Wunder also, daß in den Achtzigern John Z. DeLorean mit dem Wagen in die Pleite fuhr. Der ehema-lige Vizechef von General Motors, der im Alleingang neue Konzepte auf die Räder stellen wollte, verkaufte weltweit ganze 5000 Autos. Irgendwann wurde er für einige Tage ins Gefängnis gesteckt. Böse Menschen behaupten, wegen diesen Wagens. Was nicht ganz falsch ist - um die Firma zu retten verstrickte er sich in Geld- und Drogengeschäfte. In Gerichtsprozessen die so spektakulär waren wie sein Auto, wurde er jedoch freigesprochen. Heute lebt er, versorgt von Patend-Gebühren, glücklich in NewYork.

Satt auf der Straße: Das Fahrwerk ist das beste am DeLorean. Hart aber gerecht gefedert. Außerdem rostfrei, da Kunststoff-ummantelt.

Das Ende des dritten Film-Teils ist dagegen überhaupt nicht happy. Da wird der DeLorean von einer Lokomotive in Stücke gerissen. Schade - man hätte was draus machen können.

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