Markt - Februar 1994 - Heft 2, Seite 28-31
Zurück in die Zukunft
Die Filmkarriere des De Lorean DMC 12

Der kassenstärkste Kinohit des Jahres 1985 war der Abenteuer Science Fiction Film "Zurück in die Zukunft". Dem folgten später zwei weitere Teile, die den alten Wunsch des Menschen von einer Reise durch die Zeit neu belebten. Als Zeitmobil diente ein De Lorean Flügeltürer.

Von der Idee der Zeitreise lebte bereits ein Klassiker des Genres: 1959 bediente sich Rod Taylor alias "George" als trickreicher Erfinder eines selbstgebastelten Sessels mit Zeitsprungfähigkeiten. 26 Jahre später war ein umgebauter Flügeltürer das Mittel zur Reise durch die vierte Dimension. Er erntete die größte Popularität, die dem Werk John De Loreans je zuteil wurde!

1. Der Flügeltürer wurde zu Filmzwecken so verändert, daß er irgendwie "selbstgestrickt" aussah.

Die Idee, ausgerechnet einen De Lorean zum automobilen Hauptdarsteller eines Filmes zu machen und ihm dann auch noch Flugeigenschaften einzuhauchen, stammt von den beiden Amerikanern Bob Gale und Robert Zemeckis. Vergeblich offerierten sie den amerikanischen Gesellschaften Columbia und Walt Disney dieses Thema. Steven Spielberg aber gefiel die Story von der Zeitmaschiene. Er erreichte, das Universal das nötige Budget zur Verfügung stellte, fungierte als ausführender Produzent und ließ Zemeckis Regie führen.

Nach anfänglichen Überlegungen, "die Zeitmaschiene dem Sessel von Rod Taylor anzugleichen", so Robert Zemeckis, suchte man nach einer "eher modernen Lösung. Wenn der Zeitreisende etwa im alten Rom landet, dann wäre es nur praktisch, ihn gleichzeitig mobil zu machen. Somit suchten wir nach einem vierrädrigen Fahrzeug. Ein simples Auto wäre jedoch nicht auffallend und aufregend genug gewesen, so daß wir nach einem schauten, das von Chassis und Karosserie einem Ufo nicht unähnlich ist."

2. Der "Erfinder" des Autos war in Sachen Selbstlob nicht zimperlich: Er hielt seine Schöpfung für regelrecht stilvoll.

Was bot sich da besser an als die flache Karosse und die Flügeltüren eines De Lorean, dessen futuristisches Design bei seiner Premiere für genauso viel Wirbel gesorgt hatte wie sein immenser Benzinverbrauch? Treffender Kommentar des Erfinder im Film, Dr. Emmett Brown, dargestellt von Christopher Lloyd: "Wenn du schon eine Zeitmaschiene entwickelst, warum nicht wenigstens mit etwas Stil?"

Und Co-Produzent und Co-Drehbuchautor Bob Gale merkte lakonisch an: "Es ist ein Teil der amerikanischen Mythologie, daß irgendein Kerl ein Auto entwickelt, das 320 km/h fährt, aber das große Business uns ein Spielzeug dieser Art verbietet. Unter dieser Prämisse entwickelten Robert Zemeckis und ich die Idee, daß die Zeitmaschiene von einem verrückten Typ in seiner Garage erfunden wird." Zemeckis fügt hinzu: "Das schwierigste daran war, mit dem Ding einen möglichst hausgemachten eindruck zu vermitteln, ganz im Gegensatz zu einem dieser High-Tech Spielzeuge."

3. Ein fliegendes Auto? Der Trick war einfach: Ein Kran zog den Wagen in die Höhe.

Deshalb wurden dem Auto Heckteile und Heckfenster entfernt und die Instrumententafel überarbeitet, Innereien aus Panzern machten sich breit und sorgten dafür, daß der Wagen von Dr. Emmett Brown so aussah, als wenn er jederzeit mit dem Schraubendreher noch etwas nachziehen müßte. Für das endgültige Design zeichneten der der Künstler Ron Cubb, der Zeichner Andy Probert und der Chef der Firmenfahrzeugabteilung, Mike Scheffe, verantwortlich. Der in Wirklichkeit wohl nie zu realisierende Atomantrieb wurde in Form feuerspeiender Düsen am Wagenheck versinnbildlicht.

Insgesamt waren sieben Autos im fahrenden und fliegenden Einsatz. Nach dem immensen Erfolg des ersten Teils, der Weltweit etwa 350 Millionen Dollar einspielte, wurden die drei Autos, die das Werk für den zweiten Teil lieferte, von Hand überarbeitet , da Panzerteile nicht mehr erhältlich waren.

4. Dieses 1:5 Modell enthielt traumhafte Technik, die alle nur denkbaren Simulationen ermöglichte.

Für die Bearbeitung sorgte die Spezial-Effekte-Abteilung von George Lucas, "Industrial Light and Magic" (ILM), die 1975 gegründet worden war, um den "Krieg der Sterne" zu imposanten technischen Finessen zu verhelfen. Insgesamt zehn Millionen Dollar verschlangen die Spezial-Effekte der drei Folgen von Zurück in die Zukunft. Dafür schaffte man sieben normal ausgestattete Flügeltürer an, die entsprechend aus- und hochgerüstet wurden. Ein Fahrzeug bestand aus Fiberglas und war somit extrem leicht zu bewegen; seine Räder konnten ferngesteuert werden. Bei bestimmten Aufnahmen wurde das Auto mit einem Kran oder Gabelstabler hochgezogen. Ein Fahrzeug, das "process car", konnte leicht auseinandergenommen werden, um Innenaufnahmen mit den Darstellern hinter dem Steuer zu realisieren.

Zusätzlich wurde ein De Lorean im Maßstab 1:5 angefertigt. Das Modell doubelte das Vorbild bei den Flugaufnahmen. Auch für die endgültige Zerstörung der Zeitmaschiene nutzte man aus Kostengründen lieber das Modell als das 40.000 Dollar teure Orginal. "Wir verwendeten das Modell für alle Spezialaufnahmen, in denen akrobatische Fähigkeiten des Autos und pyrotechnische Effekte gefragt waren", erinnert sich der Regisseur.

5. Weiche Landung: noch ist das "Fahrgestell" nicht ganz ausgefahren.

Das dieser Wagen so aussieht, als ob er fliegen könnte, ist dem technischen Stab von ILM zu verdanken, der die perfekte Illusion schuf. Besonders schwierig gestalteten sich das Abheben und die Übergange zwischen Flug und Straße, der sogenannte "Zeitreise-Effekt". Es ist eine Kombination aus praktischen, optischen und animierten Prozessen. Auf der Leinwand dauerte das Ganze nur Sekunden, aber es erforderte monatelange verzwickte und detailierte Arbeit, die zunächst mit dem Filmen begann und erst in der Nachproduktion bei ILM das überzeugende Resultat erbrachte.

Wenn das Auto eine Geschwindigkeit von 88 mph (etwa 150 km/h) erreichte, wurde der sogenannte "Flux-Capacitor" aktiviert, der eine weiße Glut von sich gab. Neonfarbene Drähte an den Seiten des Autos verfärbten sich zu glühenden Lichtfetzen. Dieser Effekt wurde später noch verstärkt, um ein intensives Licht zu erzeugen: Lichtbogen entströmten einer Vorrichtung am Dach des Autos, und pyrotechnischer Brimborium mit aufflackernden Lichtern ergab einen weißen Blitz, der signalisierte, daß der De Lorean die Zeitgrenze durchbrochen habe. Zudem haben Techniker zwei Spuren mit Chemikalien und Schwarzpulver auf der Sraûe gezogen, um die feurige Fährte zu legen, die nach dem Verschwinden der Zeitmaschiene übrigbleibt.

6. Regisseur Robert Zemeckis vor zwei seiner Meisterhaft umgesetzten Ideen.

Twin Pines Mall, ein großes Einkaufszentrum in Los Angeles, bildete den Drehort für den ersten Start von Dr. Emmett Brown und seinen jungen Freund Marty McFly gespielt Michael J. Fox. "Was diese Effekte so auszeichnet, ist, daß wir sie als selbstverständlich annehmen. Wenn das Publikum wirklich in der Geschichte drinsteckt, sind die Spezialeffekte dazu da, den Spaß am zuschauen noch zu verstärken", resümiert Bob Gale. "Wir haben uns darum bemüht sicherzustellen, daß diese Tricks so eng wie möglich mit der Geschichte verbunden sind, so das niemand auf die Idee kommt, sie zu hinterfragen, bevor er nicht auf dem Heimweg ist."

Dies funktionierte besonders gut durch die Mithilfe der Produktionsdesigner. Der Amerikaner Rick Carter, zuständig für diese Abteilung, schuf eine weitere Möglichkeit, die Illusion des fliegenden Autos zu vermitteln. In der Allee, in der Doc Brown das erste Mal im Jahr 2015 landet, findet sich eine schwarze Lücke zwischen zwei Mauern. der Raum wurde mit großen Bürsten - ähnlich denen einer Autowaschanlage - ausgefüllt. Auf der anderen Seite ließ ein Kran den Wagen langsam auf die Straße herunter. Gleichzeitig verschlossen sich die Börsten, so daß sie den kompletten Mechanismus versteckten, der für die "Landung" zuständig war. Später wurden die Bürsten dann geschickt durch Buschwerk kaschiert.

7. Riesensatz: Zeitsprünge waren schon immer ein Traum der Menschheit.

Besondere Aufmerksamkeit erforderte das maßstabsgetreue 1:5 Modell. Es war zu einer Reihe von technisch notwendigen Eskapaden fähig, besaß eine eigene Elektronik und Elektrik , die den "Flux Capacitor" mit Strom versorgte, die Teit anzeigte (1955, 1985, 2015, 1885) sowie Hecklichter und neonfarbene Drähte beleuchtete. Drei Miniaturventilatoren kühlten das Innere des Wagens, das sich wegen der Lichtstrahlung von unten stark aufheizte.

Steve Gawley, Leiter der Modell-Abteilung bei "Industrial Light and Magic", schuf zusätzlich noch weitere Nachbildungen anderer Fahrzeuge, darunter ein Polizeiauto, ein Motorrad und ein Taxi, um den interplanetarischen Verkehr entsprechend belebt wirken zu lassen. "Die Kunst beim Modellbau ist, daß alles total glaubwürdig ist. Und der größte Kick ist, ein Modell zu erschaffen, das man vom Orginal nicht unterscheiden kann", weiß Steve Gawley. Lichtanlagen, Verkehrszeichen und Kreuzungen wurden ebenfalls in reduzierter Ausgabe erschaffen, so daß eine kleine, wenn auch sehr teure Spielzeugwelt entstand.

8. Eine bekannte Szene, hier mal ganz anders aufbereitet: Da prallen - Im Wortsinne - zwei Welten aufeinander. Den echten DMC 12 gab es übrigens nie mit Allradantrieb.

Die Verbindung der einzelnen Aufnahmen geschah mit Hilfe eines Computers. Aufgehängt an Seilen auf einer Bühne für Spezial-Effekte, wurden das Modell und die Kamera elektronisch hin- und herdirigiert. Möglich war auch, das Modell stillstehen und alle Bewegungen von der Kamera imitieren zu lassen. Beim Abspulen des belichteten Materials sieht es dann so aus, als ob das Fahrzeug ganz gewöhnlich vorwärts fahren würde. Mit nur einer Aufnahme pro Sekunde entspricht diese Technik zwar nicht dem Aufwand eines Zeichentrickfilms (bei dem 24 Bilder eine Sekunde Film ergeben), ist aber dennoch eine Sisyphusarbeit.

9. Die Wüste bebt: Diesen Teil der Zeitreise hätte man wohl besser mit der Postkutsche absolviert.

Es kann passieren, daß eine einzige Bewegung in bis zu acht Arbeitsvorgängen aufgenommen wird. Zunächst kommt der sogenannte "Master Shot", bei dem das Auto vor einem blauen Hintergrund gefilmt wird. Dann folgen die Effekte mit Filmischen Elementen wie etwa Schatten von Straßenlaternen. Die beleuchteten Räder, Inneneinrichtung und Rücklichter werden sodann seperat aufgenommen. Schließlich wird in der letzten Aufnahme ein Durchgang gefilmt, zu dem Rauch hinzukommt, um den Effekt zu erzielen, die Scheinwerferkegel durch den Dunst auszumachen. Die Belichtung aller dieser Szenen in einzelnen Bildern erlaubt dem Regisseur, die ganze Sequenz variabel zu handhaben. Er kann selbst entscheiden, welchen Teil des Puzzles er zu erst verwendet, un ob er der Szene Ruhe oder Dramatik verleihen möchte.

10. Senkrechtstarter: Marty und Doc Brown verschaffen sich einen guten Überblick.

Bei aller Arbeit, welche die Serie erforderte, ist die Crew hinter den Kulissen besonders auf eine Aufnahme besonders stolz. In dem Film "Zurück in die Zukunft II", der teilweise im Jahr 2015 spielt, kommen Marty und Doc Brown aus der Zukunft in das Jahr 1985 zurück. Man sieht wie das Auto aus der Luft angeflogen kommt, auf der Straße landet und in eine Seitenstraûe abbiegt, wo die Insassen aussteigen. Auf der Leinwand wirkt die Aufnahme wie eine einzige fließende Bewegung. Sie ist jedoch in Wirklichkeit aus zwei Komponenten zusammengefügt und verdeutlicht die ideale Verbindung von realen Bildern und Tricktechnik.

Robert Zemeckis nahm zuerst die beiden Passagiere im Auto auf und gab das Material dann an ILM weiter. Ken Ralston, der Spezialist für visuelle Effekte, und Kameramann Peter Daulton arbeiteten dann anhand der realen Aufnahmen rückwärts, um die Bewegung des De Lorean mit denen des Modellgegenstücks zu duplizieren. Als die beiden Teile optisch verbunden wurden, wirkte es so, als würde sich die ganze Aktion nur in einer einzigen Aufnahme darstellen. Bei diesem Film gelang es das allererste Mal, die kinematographische Illusion einer "Autolandung" perfekt umzusetzen. Für Spezialisten Steve Gawley sind Herausforderungen wie diese "ein wahrer Test für Fähigkeiten eines Kameramanns und die Kunstfertigkeit eines Modellbauers."

11. Kein Film-, sondern ein Serienfahrzeug: De Lorean während der Promotiontour in Deutschland.

Daß es auch manchmal ganz einfach geht, den Zuschauern Technik aus der Zukunft vorzugaukeln, bewies der Co-Produzent und Co-Drehbuchautor Bob Gale ebenfalls bei diesem Film. Grundlage för die Befestigung des "Atomantriebs" am De Lorean bildete die überarbeitete Krups Kaffeemühle, die auch nach Ende der Dreharbeiten Verwendung fand - als Lampe im Büro von Bob Gale in den Universal Studios.

Nur eines ist den drei Filmen nicht gelungen: Der Vorgänger Die Zeitmaschiene erhielt 1960 einen Oscar für die besten Spezialeffekte. Das hat Zurück in die Zukunft nie geschafft.

Siegfried Tesche
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