Zylinderkopfdichtung wechseln  von Ingo Lucas

Nachdem mein Motor sobald es warm wurde furchtbar anfing zu Qualmen und noch dazu ständig Kühlwasser verlor, zeigte sich leider, daß die Zylinderkopfdichtung defekt war. So mußte ich in den sauren Apfel beißen und den Motor teilzerlegen. Anmerkend sei gesagt, daß dies für mich das erste mal war und ohne eine fachkundige Hilfe ab und zu hätte ich es wohl nicht geschafft.

Zuerst sollte man die Heckpartie demontieren. Dies erleichtert einem die Arbeit am Motor ungemein. Danach heißt es Keilriemen abnehmen und Demontage der einzelnen Motorkomponenten. Die einzelnen Arbeitsschritte sind im Werkstatthandbuch beschrieben und so will ich diese hier nur ergänzen. Demontiert werden müssen erst Luftfilter; dann Einspritzanlage und Ansaugbrücke. Alle abgesteckten Schläuche und Kabel sollten gekennzeichnet werden. Insbesondere die Zündkabel. offene Schlauchenden da Einspritzanlage sollten mit sauberen, fusselfreien Stoffetzen verschlossen werden. Falls Sie es noch nicht getan haben, sollten Sie spätestens jetzt das Kühlwasser der rechten Zylinderbank ablassen. Auch der Endtopf sowie die Hitzebleche sollen demontiert werden. Anfallende Schrauben kennzeichnet man am besten, indem man sie in Papier einwickelt und beschriftet. Klimakompressor sowie Umlenkrollen entfernen. Nun Kühlwasseranschlüsse sowie die Muttern der Krümmerstehbolzen (eine Quälerei!) und die Ventildeckelschrauben entfernen. Ventildeckel abnehmen. Bevor der Zündverteiler demontiert wird, erst Markierung Steuerkettenrad ,,ON Top' stellen und die Verteilerfingerstellung an' Zündverteiler, sowie die Stellung des Zündverteilers am Zylinderkopf markieren. Will man sich die Arbeit den Steuerkettendeckel (zum Zentrieren des Steuerkettenrades auf der Nockenwelle beim Zusammenbau) abzunehmen sparen, so muß unbedingt darauf geachtet werden, daß das Steuerkettenrad nachdem die Nockenwelle ausgerenkt wurde kein Spiel bekommt, sowie daß es die bestehende Vorspannung behält (welche nicht unbeträchtlich ist). Sollten Sie versuchen, daß Hilfswerkzeug zu diesem Zweck aus dem Werkstatthandbuch nachzubauen, muß dieses solide und exakt dem Original entsprechend erfolgen.

Sollte einer dieses Teil nachbauen, kann er es dem Club zur Verfügung stellen, um anderen die Arbeit später zu erleichtern. Danke

Zylinderkopfschrauben entfernen und Kipphebelwelle mit Kipphebel abnehmen. Nun müssen die beiden Zentrierhülsen zwischen Block und Zylinderkopf mit einem langen Gegenstand wie im Werkstatthandbuch beschrieben nach unten geklopft werden. Am besten mag zu diesem Zweck wohl ein alter Ventilstößel sein, doch wer hat den schon. Ich habe zu diesem Zweck einen starren Draht verwendet welcher am Ende der Stößelform angeglichen war (erfordert allerdings einiges an Geduld). Die Zehner Imbusschraube, welche das Steuerkettenrad mit der Nockenwelle verbindet entfernen. Nockenwellendeckel am Kopfende abnehmen, Nockenwellensicherung hinter dem Steuerrad gerade zur Seite schieben (nicht schief, da Sie ober- und unterhalb der Nockenwelle eingreift) und Nockenwelle nach hinten aus dem Steuerkettenrad drücken. Der Zylinderkopf darf nicht senkrecht vom Block genommen werden, da sonst die Gefahr besteht, daß die Laufbuchsen sich lockern bzw. ganz mitkommen. Am besten Zylinderkopf seitlich vom Kopf ziehen. Alle Oberflächen müssen gründlich von Dichtungsresten befreit werden,

Die Werte die für das Überstehen der Laufbuchsen über den Motorblock im Werkstatthandbuch angegeben werden, gelten wahrscheinlich (nicht definitiv !) nur bei Verwendung von neuen Dichtungen am Fuß der Laufbuchsen, da sich diese im laufe der zeit noch etwas setzen. Die hiesige Renault-Werkstätte gab zu einer entsprechenden Anfrage die Auskunft, daß eine neue Zylinderkopfdichtung zu 99% wieder abdichtet, wenn die Laufbuchsen durch Abnehmen des Zylinderkopfes nicht lose oder locker geworden sind.

Zu diesem Zeitpunkt bietet es sich an, wenn man auch an eine optische Aufwertung des Motors denkt, alle Teile einer gründlichen Reinigung zu unterziehen. Man sollte jedoch alle öligen Bereiche abdecken sowie, alle Bohrungen des Ölkreislaufes besonders schützen. Zum Reinigen verwendete ich Drahtbürsten die ich über eine biegsame Welle an die Bohrmaschine oder direkt in die Bohrmaschine einspannte. Zu bekommen in jedem Baumarkt. Eine ziemlich dreckige Angelegenheit aber das Ergebnis entlohnt für die Anstrengung. Auch Schrauben lassen sich auf die Art sehr gut aufwerten. Ebenso bietet es sich an, bei dieser Gelegenheit gleich die Kupplungshydraulikflüssigkeit zu wechseln, da man an den Slave Zylinder sehr gut hin kommt. In den meisten Fällen wird ein Wechsel eh längst fällig sein, da ein Wechsel der Flüssigkeit bei montiertem Ansaugsystem eine sehr nervige Angelegenheit ist. Wer die Zeit hat kann auch vor dem Zusammenbau die Dichtigkeit der Einlaß- und Auslaßventile überprüfen , und gegebenenfalls die Ventile einschleifen. Zum Prüfen der Dichtigkeit empfiehlt sich die Benzinprobe Kopf schräg halten und etwas Benzin in den Einlaß- oder Auslaßkanal schütten. Sickert das Benzin am Ventil vorbei in den Brennraum, sollte man die Ventile neu Einschleifen.

Beim Zusammenbau in umgekehrter Reihenfolge vorgehen. Beim Einbau des Zündverteilers auf richtige Einbaulage achten. Auch empfiehlt es sich bei entsprechender Abnutzung evtl. den Verteilerfinger sowie die Verteilerkappe zu erneuern, da dies zum jetzigen Zeitpunkt sehr leicht möglich ist. Die Bezugsquellen wurden schon in früheren Clubzeitschriften veröffentlicht. Ventilspiel einstellen nicht vergessen (sollte man bei der linken Zylinderbank gleich mit machen. Erfordert nur wenig Mehraufwand). Sollte das Steuerkettenrad seine Vorspannung verloren haben, muß der Steuerkettendeckel abgenommen werden da der Kettenspanner sonst nicht zurückgestellt werden kann. Hierzu muß die Mutter auf der Riemenscheibe entfernt und die Riemenscheibe abgenommen werden. Die Mutter erfordert einen gekröpften 35er Ringschlüssel. Im Getriebe den 4 Gang einlegen und die Handbremse anziehen. Das Gewinde ist ein Normalgewinde, welches links herum öffnet. Bei mir lies sich das Teil trotz aller Bemühungen nicht lösen, wahrscheinlich wegen der verwendeten Loctite- Mutternsicherung. So habe ich die Mutter an gegenüberliegenden Seiten mit einem 6er Bohrer durchbohrt und sie anschließend mit einem Meißel gesprengt. Die Ersatzteilbeschaffung ist kein Problem.

Der Simmerring zwischen Steuerkettendeckel und Kurbelwelle ist recht solide und müßte wahrscheinlich auch nach dem erneuten Einbau wieder dichten. Sollten Sie Ihn dennoch auswechseln müssen, können Sie ihn über Volvo beziehen. Die Dichtung für den Steuerkettendeckel ist ebenfalls über Volvo zu bekommen. Beim weiteren Zusammenbau gab es bei mir eigentlich keine weiteren Probleme und sollte man nicht evtl. Zündkabel (!) oder Einspritzdüsen vertauscht haben, müßte der Motor anstandslos laufen.

An dieser Stelle meinen besten Dank an Ingo Lucas für seinen Erfahrungsbericht, Ich möchte weiterhin alle bitten, mir ihre gemachten Erfahrungen mit Ihren Fahrzeugen in einer Mail zuzuschicken. Dein eigene gemachte Erfahrungen können für andere eine große Hilfe sein.

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