Hinter den Kulissen der DeLorean Motor Company

Die Frage nach den Hintergründen um die DeLorean Motor Company stellt sich meist nicht auf den ersten Blick. Das Fahrzeug „DeLorean" zieht die ersten Fragen auf sich. Aber welche Geschichte umgibt diesen Wagen? Seit 1977 die ersten Berichte von sogenannten „Fachzeitschriften" über den DeLorean veröffentlicht wurden, ziehen sich Halbwahrheiten, Fehler und auch einfach nur Miesmacherei durch die komplette Berichterstattung. Das wäre insoweit verständlich, wenn es sich nur um sogenannte „Fahrberichte" handen würde, denn diese geben eine subjektive Meinung wieder. Anders sieht es da aber bei definitiven Fakten wie z.B. Fahrzeug und Firmendaten aus die zum Teil bewußt halb- oder unwahr wiedergegeben wurden. Wenn man sich die Testberichte der ´80er Jahre genau ansieht, muß man feststellen, daß sich die sogenannten „Autoren" auch nicht sonderlich viel Arbeit in Recherche investiert, und einfach nur voneinander abgeschrieben haben. Das gilt natürlich auch für Fehler. Schlimm ist es zu erwähnen, daß selbst aktuelle Publikationen hier keine Ausnahme machen. Erst kürzlich laß ich einen Artikel über den DeLorean (ab hier muß man sich sehr Diplomatisch ausdrücken) in einem Buch über „Klassiker" eines großen deutschen „Automobil Fachverlages", hier fiel auf, daß der Artikel „technisch" wie von der „Historie" her derart „falsch" war, daß man davon ausgehen kann, daß diese Fehler nicht entstanden wären, wenn sich der Autor den Wagen vor dem Schreiben des Artikels wenigstens einmal angesehen hätte. Bei manchen Artikeln stellt man auch eine deutliche Antipathie gegen den Firmengründer und Inhaber John Z. DeLorean fest. Das gilt natürlich besonders nach seiner Festnahme durch das FBI. Leider wurden in diesen Artikeln nie die Hintergründe beleuchtet, sonst wären damals schon einige Ungereimtheiten aufgefallen, die mit Sicherheit ein weiteres Festessen für die Presse hätten sein können, aber Kfz-Journalisten sind eben keine Finanz- und Politikexperten und wollen es wahrscheinlich auch nicht sein. Eben diesen Mißstand soll dieser Bericht beheben. Im Anschluß an diesen Artikel möchte ich auch noch einen realistischen Bericht zum Fahrzeug selbst veröffentlichen. da die „Offizielle" schreibende Gilde das bisher weitgehend versäumt hat.

Es sei noch kurz erwähnt, daß dieser Artikel keine Details beleuchtet. Diese kann man in JZDs Autobiographie oder „Stainless Steel Illusions" nachlesen, sondern vielmehr versteht sich dieser Artikel als eine „objektive" Zusammenfassung der Geschichte um die DeLorean Motor Company.

Es begann alles Anfang der siebziger Jahre. John Z. DeLorean war Vizepräsident des GM Konzerns. Aber er mußte feststellen, daß er in diesem Rahmen ein Fahrzeug nach seinen Vorstellungen nicht verwirklichen konnte. Also kündigte er seinen Job um sein eigenes Automobil zu bauen. Er wußte, daß er nur mit einem besonderen Nischenfahrzeug eine Chance hatte. Zu dieser Zeit war dies der US Sportwagenmarkt, denn der einzige US Sportwagen war die Corvette, also sollte sein Wagen gegen die Corvette antreten. Außerdem sollte der Wagen ganz neuen Maßstäben folgen. So sollten neueste Materialien zum Einsatz kommen, und neue Maßstäbe in Sachen Sicherheit gesetzt werden. John DeLorean ließ so Mitte der siebziger zwei Prototypen bauen deren Planung sich an den ursprünglichen Plan das „DSV" (DeLorean Safety Vehicle) anlehnten. Die Entwicklung der Prototypen verschlang weitgehend das vorhandene Privatkapital. Außerdem stellte man fest, daß für die Entwicklung von Airbags und der besonders verformbaren Kunststoff-Grundstruktur des Wagens weder das nötige Geld noch die Mittel bereitstanden. Die beiden Prototypen wurden zwar in bahnbrechender Kunststoff-Sandwich Bauweise realisiert, leider aber ohne die Sicherheitstechnische Revolution. Inzwischen wurde das Unternehmen natürlich längst von den großen Automobilriesen belächelt, da die Gelder bereits verbraucht waren sagten man nun schon den Tod des Unterfangens voraus. John DeLorean beschaffte mit Hilfe seines guten Namens die Gelder um seine Autofabrik zu verwirklichen. Innerhalb von 3 Jahren klapperte er mehr als 350 private Investoren ab. Den Rest steuerte die englische Regierung bei, unter der Bedingung seine Autofabrik werde in Nordirland in der Nähe von Belfast gebaut. Für die englische Regierung war das ein politischer Schachzug gegen die IRA, aber mehr dazu später. 1980 war es dann soweit die Fahrzeugfabrik in Irland wurde fertiggestellt. Die Fabrik selbst war das modernste was es zu dieser Zeit gab. Aber natürlich brachte der Standort Nordirland seine Probleme mit sich. So hatten die Fabrikationshallen z.B. zwei Eingänge, den einen für Protesttanten den anderen für Katholiken. Auch die Belegschaft rekrutierte sich jeweils zu 50% aus diesen beiden Bevölkerungsgruppen. Dennoch blieb das Werk von Bombenattentaten nicht verschont, und so verzögerte sich die eigentliche Markteinführung des „DMC-12" mehrmals. „DMC-12" war die interne Codenummer des Wagens wobei die 12 für den ursprünglich geplanten Preis von 12.000 Dollar stand. Mit dem definitiven Start des Unterfangens in England, wurde „Lotus" beauftragt aus den beiden Prototypen die endgültigen Serienfahrzeuge zu entwickeln. Dabei fielen die letzten ursprünglichen „DSV" Richtlinien, nur einige Innovationen fanden noch ihren Weg in das Serienfahrzeug. Die Gelder waren zwischenzeitlich wieder knapp und das Fahrzeug mußte auf den Markt. Die Entwicklungskosten bei Lotus für das Serienfahrzeug verschlangen etwa die Hälfte des zur Verfügung stehenden Kapitals, (wie später festgestellt wurde ließ Colin Chapman die Gelder auf Nummernkonten in der Schweiz verschwinden), Lotus stand zu diesem Zeitpunkt kurz vor dem Konkurs. Chapman und DeLorean vereinbarten weiterhin die Gründung eines Automobilentwicklungszentrums, um die erarbeiteten Grundlagen an andere Automobilunternehmen zu vermarkten. Als erstes Unternehmen profitierte Lotus von dieser Zusammenarbeit, die im „Esprit II" umgesetzt wurde. Leider verblieb weder Zeit noch Geld um eine Flotte sogenannter Nullserienmodelle zu bauen, und ausgiebig zu testen. So wurden zwei Testfahrzeuge gebaut die eine 50.000 Meilen Testfahrt absolvieren sollten. Leider erreichte nur ein Fahrzeug sein Limit. Das andere erlitt bei einem Verkehrsunfall einen Totalschaden.

Anfang ´81 war es dann soweit, die ersten Exemplare des „DMC-12" fanden Ihren Weg über den großen Teich, wo sie von zwei sogenannten „QAC" (Quality Assurance Center) in Kalifornien empfangen wurden. Dort wurden die Fahrzeuge nochmals überprüft, gereinigt und zum Verkauf vorbereitet. Von den „QAC" wurden die Fahrzeuge an die Händler ausgeliefert. Dort fanden die Fahrzeuge einen derart reißenden Absatz, daß die Produktion von ursprünglich 6 Fahrzeugen pro Tag, auf mehr als 80 Stück pro Tag angekurbelt wurde. Zeitgleich wurde die Zahl der Mitarbeiter von 600 auf fast 4000 angehoben. Das brachte natürlich erhebliche Mehrausgaben und einen deutlichen Qualitätsverlust mit sich, denn es blieb keine Zeit die neuen Mitarbeiter auszubilden. Ließ die Qualität der Fahrzeuge am Anfang noch wegen technischer Defizite zu wünschen übrig, so war es dann die katastrophale Verarbeitung. So wurden aus den „QAC" die Endproduktionstätten, in denen die Neuwagen erst einmal „repariert" werden mußten. Diese Arbeiten verschlangen ebenfalls immense Summen. Doch noch waren die Kosten durch die guten Verkäufe gedeckt.

Dennoch war die Geschäftsleitung zufrieden. Des galt auch für die Mitarbeiter die Region wurde friedlich. Weiterhin verschlang DMC englische Steuergelder, und in der englischen Regierung machte sich Unmut darüber breit, ob man DMC weiter unterstützen soll, wenn die IRA außerhalb von Dunmurry fröhlich weiter Bombenattentate verübt. Spätestens jetzt mußte man feststellen das DMC mehr war als eine Autofabrik, nämlich ein englisches Mittel gegen die IRA, das zum politischen Spielball wurde.

Doch die schlechte Verarbeitung des „DeLorean" wurde natürlich publik, außerdem wurde die 130hp starke Maschine von der US Kunden Klientel als unterdimensioniert aufgenommen. Man versprach sich von einem Fahrzeug mit diesem Aussehen die Fahrleistungen eines Ferrari. Gegen den Ursprünglichen Konkurrenten Corvette konnte man wegen des inzwischen auf 25.000 Dollar angewachsenen Verkaufspreis nicht mehr antreten. All diese Fakten, der hohe Verkaufspreis, die schlechte Verarbeitungsqualität, sowie die niedrige Motorleistung (die bei genauer Betrachtung für die Staaten mehr als ausreichend war) und die enorm gestiegenen Produktionszahlen, führten dann doch zu Absatzschwierigkeiten. Es wurden mehr Fahrzeuge gebaut als Verkauft werden konnten. Um die Motorleistung zu verbessern wurde ein Prototyp mit Turbomotor in Auftrag gegeben, nach dem der US Markt verlangte. Außerdem begann man Vertriebswege in anderen Ländern aufzubauen. Die Qualitätsmängel hatte man zwischenzeitlich beseitigt, die ´82er Modelle waren im Vergleich den Fahrzeugen des Vorjahres fehlerfrei. Dennoch kam man durch die vorangegangene Überproduktion in finanzielle Schwierigkeiten.

Also erbat man bei der englischen Regierung eine Erweiterung des Darlehens, das Maggie Thatcher höchstpersönlich ablehnte. Man sah es nicht mehr ein, in ein unwirksames Mittel gegen die IRA Gelder zu investieren, und schon gar nicht bei bevorstehenden Wahlen.

So ging die DMC in Konkursverwaltung über. Ein Großteil der Arbeiter wurde entlassen. Die verbliebenen bauten aus den noch vorhanden Teilen die letzte Serie des „DMC-12". Während der Zeit zwischen GM um DMC schrieb John Z. DeLorean ein Enthüllungsbuch über die amerikanische Automobilindustrie, und ging dabei mit seinen ehemaligen Kollegen nicht zimperlich um. JZD war nun ein Dorn in mancher Augen, und einige hätten ihn sicherlich gerne „tot" gesehen. So kam es, daß JZD bei einem USA Aufenthalt Kokain durch einen Mittelsmann des FBI zugeschoben wurde, und JZD wegen Verdacht auf Drogenhandel festgenommen wurde. Man unterstellte ihm mit Drogengeldern seine Fabrik retten zu wollen. Gleich in den Tagen darauf wurde die Fabrik geschlossen. Danach wurde das Inventar sowie die noch verbliebenen Fahrzeugteile verkauft und die Fabrik geräumt. John Z. DeLorean wurde später Freigesprochen,weil man dahinterkam, daß die ganze Aktion vom FBI eingefädelt war. Als später bekannt wurde, daß der amerikanische Käufer des DMC „Warenbestandes" den Wagen in eigener Regie weiterbauen wollte, ließ die englische Regierung die Karosserieformen des „DeLorean" unter polizeilicher Aufsicht im Meer versenken.

So stieg der Verkaufspreis der letzten „DMC-12" auf bis zu 37.000 Dollar und die Nachfrage war so hoch wie am ersten Tag. John Z. DeLorean und das US Unternehmen  "Consolidatet", daß später „KAPAC" hieß, versuchten mindestens zweimal die Neuauflage des „DMC-12" mit Turbomotor in Kleinserie, denn es waren noch ca. 400 komplette Fahrzeuge als Teile vorhanden (bis auf den Kotflügel vorne links). Dies war aber immer wieder durch Einwände der Engländer zum Scheitern verurteilt, bis der Plan dann schlußendlich aufgegeben wurde. Später darauf befragt, was er denn bei DMC falsch gemacht hätte, meinte John DeLorean nur: hätte er sich nicht mit den Engländern eingelassen und dem Wagen gleich den Turbomotor mit auf den Weg gegeben, würde die Fabrik heute mit Sicherheit noch existieren.

Führt zurück zur Tour - Schwanengesang

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