Auto motor und Sport - Februar 1982 - Heft 4, Seite 46-47
Die Bombe in Belfast
Der DeLorean Motor Company in Nordirland droht die Pleite.

Den schillernden Paradiesvogel und Ex-Spitzenmanager hat, wohl erstmals in seinem Leben, das Glück verlassen. John Zacharias DeLorean, 57, Gründer und Präsident der DeLorean Motor Company, kämpft verzweifelt um die Existenz seiner Automobilfirma im nordirischen Belfast, die er mit Hilfe von über 300 Millionen Mark an britischen Regierungsgeldern und zusätzlich in den USA zuammengepumpten Mitteln in den letzten Jahren aufgebaut hat (siehe auto motor und sport 13/1981).

Dem Kampf um sein Werk war ein mißglückter Balanceakt des ehemaligen General Motors Vizepräsidenten vorausgegangen, der die Chefetage in Detroit 1973 nach dem Muster eines Aussteigers verlassen hatte. Denn DeLorean führte - allerdings erfolglos - Verkaufsgespräche mit einem US-Automobilunternehmen und ließ nunmehr in einem Interview mit der Wirtschaftszeitung ,,Wall Street" wissen, daß er auch an einen ,,interessierten Prestige-Hersteller von nichtamerikanischer Provenienz" als Partner denkt.

65Millionen Dollar an sofortigen Exportkrediten zur Finanzierung seiner Sportwagenproduktion forderte DeLorean zuvor von der britischen Regierung. Als jedoch James Prior, Nordirlandminister im Thatcher-Kabinett, eine umgehende Prüfung und Einsicht in alle Unterlagen verlangte, reagierte DeLorean sauer: Er schickte 1100 seiner 2600 Arbeiter kurzerhand nach Hause - und dies im Bombengebiet Belfast mit einer hoffnungslosen Arbeitslosenquote von über 33 Prozent.

Mit britischen Steuergeldern gebaut: das supermoderne DeLorean-Werk im nordirischen Belfast

,,Es ist tragisch, daß dies geschehen mußte, aber wir haben keine Alternative", begründet DeLorean den harten Schritt und macht anschließend auf Optimismus. ,,Auf die eine oder andere Art und Weise werden wir überleben,"

DeLorean hat seinen Traum noch nicht aufgegeben. Der Manager, der dank seiner Überredungskünste sogar die britische Regierung für seine Auto-Pläne zu gewinnen vermochte, läßt den großzügigen und modernen Betrieb im verarmten Belfast zunächst auf Sparflamme weiterlaufen, da selbst eine erneute Finanzspritze die volle Produktion von geplanten 18 000 Autos jährlich nicht rechtfertigen würde.

Der Grund: Der US-Absatz ist ausgesprochen schlecht. Bisher sind 7500 DeLorean-Sport-wagen mit Renault-Heckmotor und imposanten Flügeltüren in die Staaten geliefert worden - verkauft wurde aber bislang gerade die Hälfte. Schuld an der Verkaufsmisere der über 50 000 Mark teuren Autos - ursprünglich sollte ein DeLorean für 20 000 Mark zu haben sein - sind unter anderem Beschwerden der Kunden über Verarbeitung und Qualität. Da nutzt es dem Image auch wenig, wenn DeLorean-Freund Frank Sinatra gleich zwei konzeptionell überholte Sportwagen bestellte.

Finanziell ins Schleudern geraten: Autobauer DeLorean

Die schwerste Krise in der Geschichte der Autostadt Detroit droht nun dem cleveren Ex-Detroiter gleichfalls zum Verhängnis zu werden. Seine 350 Händler haben bis Ende 1983 zwar den Verkauf von 33.000 Sportwagen versprochen, bei der DeLorean Mo-tor Company mit Sitz in New York liegen jedoch erst 5000 Festaufträge vor.

Und angesichts der nach wie vor superhohen US-Zinsen und der allgemeinen Wirt-schaftsmisere wird sich DeLorean schon glücklich schätzen können, wenn er - falls seine Firma die Krise überlebt - jährlich 8000 bis 10.000 Autos nach Amerika liefern kann.

Da der inzwischen sichtlich gealterte Automobilunternehmer, dessen Playboy-Habitus vor allem seinen englischen Geldgebern auf die Nerven geht, ausschließlich den amerikanischen Markt beliefert - in der Bundesrepublik würde der TÜV ohnehin sein Veto gegen die erstmals auf dem Genfer Autosalon 1981 vorgestellten Flügeltüren-Autos einlegen - sind keine weiteren Aufträge zu erwarten. Und ein Versuch des in New York residierenden und mit einem Fotomodell verheirateten Autobauers, mit einer zwölf Millionen Dollar schweren Aktienemission an die Börse zu gehen und damit seine dünne Kapitaldecke zu verstärken, scheiterte zu allem Uberf1uß auch noch - Amerikas Börsenmakler haben offensichtlich kein Interesse an den DeLorean-Aktien.

Kein Erfolg in Amerika: DeLorean Sportwagen

Bislang ist noch offen, ob Kooperationsversuche mit größeren Partnern, die Fremdfinanzierung durch US-Unternehmen oder die Vergabe neuer Gelder von der britischen Regierung realisiert werden. Kein Geheimnis allerdings ist die Tatsache, daß die britische Regierungschefin Margaret Thatcher das von der zuvor regierenden Labourpartei abgesegnete DeLorean-Unternehmen für viel zu kostspielig hält. Bisherigen Zahlungen hat die sparsame Regierungschefin nur zähneknirschend zugestimmt.

Scheitert der US-Manager John Z. DeLorean mit seinem aus nichtrostendem Stahl gefertigten Sportwagen endgültig, dann dürfte er jedenfalls der letzte amerikanische Automobil-Einzelgänger gewesen sein, der im Zeitalter der multinationalen Automobilgiganten den Versuch zum Aufbau einer eigenen Firma unternommen hat.

Copyright © Delorean Site Deutschland, Michael Reinemuth, www.delorean.de