Street magazine - Juli / Aug   Ausgabe 4 / 1996   Seite  60-61
Flügellahm
Die Geschichte von John DeLorean und seinem DMC 12 - fast ein Krimi

John Zachary DeLorean galt als eine der schillerndsten Persönlichkeiten Amerikas, als „graumelierter, 1.90m großer Playboy-Typ, gewandet in italienische Maßanzüge", wußte der Spiegel 1982 zu berichten. Mit Ende 40 hatte er es zum Vize von GM gebracht, kassierte 1.5 Mio. im Jahr und war sicherer Anwärter auf den Präsidentensessel. Doch plötzlich schmiß der 1925 in Detroit geborene Märchenprinz (österreichische Mutter, elsässischer Vater) alles hin. Er verließ den Konzern und schrieb einen Bestseller: „On a clear day you see General Motors" - die große Abrechnung!

                 

Er, der für kleinere Autos kämpfte, fühlte sich zum Autobauer berufen und gründete 1975 die DeLorean Motor Co. In New York. Ende des Jahres wurde das Projekt vorgestellt - als Mercedes-ähnliches Spitzenprodukt und vergleichsweise kleinem Motor, exzellent verarbeitet und höchsten Sicherheitsanforderungen entsprechend. Name: „DeLorean Safety Vehicle". Das von Shell entwickelte Verfahren zur Kunststoffverarbeitung (Elastic Reservoir Molding ERM) sollte bei der Verwirklichung von Knautschzonen eine wichtige Rolle spielen. Diese sowie Airbags waren bei GM nicht durchzusetzen gewesen. Sogar ein Modell (Mockup) existierte bereits, das der späteren Serie sehr nahekam - gebaut von Giugiaros Ital-Design! Funktionalität schuf gerade, strenge Linien und große Glasflächen. Von Flügeltüren war noch keine Rede, vom Mittelmotor dagegen schon. Quer angeordnet und kompakt - am liebsten ein Wankel. Da alle Vorstöße in dieser Richtung scheiterten, favorisierte man den Ford 3l V6. Dies alles machte einen fortschrittlichen, vernünftigen Eindruck, zumal sich DeLorean mit William Collins einen fähigen GM-Konstrukteur geholt hatte. Weitere Mitarbeiter waren William Haddad (PR) und Finanzexperte Walter Stryker. Aber der Mann, der von sich behauptete „Ich habe bisher alles geschafft", schaffte eines nicht: den eigenen Zeitplan einzuhalten. Erst im Herbst 1980 stand der erste Prototyp mit Schiebefenstern und Flügeltüren als DMC-12 auf den Rädern. Gebaut wurde er als größte Überraschung im nordirischen Dunmurry bei Belfast - einem der schlimmsten Krisengebiete Europas! Nach vergeblicher Suche in den USA und Puerto Rico hatte er die britische Labour-Regierung kontaktiert und 2.500 Arbeitsplätze in Aussicht gestellt. Einziger Haken: es fehlten 100 Mio. $, denn John Z. selbst konnte nur 35 Mio. beisteuern - der Hauptteil von privaten Investoren. Doch auch die 100 Mio. von der Regierung bereitgestellt! Nordirlandminister Mason verkündete am 2. August 1978 den Bau der Fabrik!

Statt auf der Birmingham Motor Show im Oktober 1980 wurde das Auto erst in Genf 1981 gezeigt. Trotz mit Katholiken und Protestanten paritätisch besetzter Arbeitsplätze war es zu Anschlägen gekommen. Die Produktion startete unter Don Lander Monate später - unter Mithilfe von 26 Firmen: das Auto bestand aus 90% Fremdteilen. Neben Giugiaro und Lotus hatte die deutsche Firma Läpple mit der Edelstahl-Beplankung erheblichen Anteil daran. Steel-Look und Flügeltüren sorgten dann auch für die Hauptrolle in „Zurück in die Zukunft". Gegenüber ursprünglicher Pläne unterschied sich der DeLorean in wesentlichen Punkten. So bestand die nach dem Lotus VARI (Vacuum Assited Resin Injection) Verfahren Produzierte Kunststoffkarosse nun aus zwei Schalen und ruhte in einem gegabelten Zentralträger-Chassis. Das Triebwerk war der von Peugeot, Renault und Volvo entwickelte 6 Zyl. Euro Motor PRV mit 2,8l und 132 PS, allerdings nicht in versprochener Mittelmotor sondern in Heckbauweise. Lotus 5-Gang Getriebe oder 3-Gang Automatik, 4 Scheibenbremsen, ein aufwendiges Fahrwerk und Breitreifen waren weitere Zutaten. Das luxuriöse Interieur in grau oder schwarz schloß Ledersitze, Stereo/Cassette , Klima, Zentralverriegelung und elektrische Fenster ein. Doch eine Spitze von knapp 200 km/h und eine Beschleunigung von 0-100 in 11 sek. Rissen keinen vom Hocker! Auch das Finish ließ entgegen früherer Versprechungen zu wünschen übrig, doch die Mischung aus Fahrsicherheit, Sportlichkeit und Komfort wurde gelobt. 350 Händler, die sich das Vertriebsrecht bis zu 50.000$ kosten ließen, boten das Auto für 25.000$ in den USA an - wo es für weniger Geld bessere Sportwagen gab. Trotzdem sah John Z. die Zukunft rosig und sprach von 40.000 verkauften Autos.

Die Wirklichkeit sah anders aus: nur acht Monate später ging man freiwillig in Konkurs, nachdem die Käufer weggeblieben waren und Maggie Thatcher den Geldhahn zugedreht hatte. Aber es kam noch schlimmer: am 20. Oktober 1982 wurde DeLorean mit 100kg Kokain verhaftet. Mit 100 Mio. Profit daraus wollte er sein Unternehmen retten. Dennoch hatte er Glück: ein US-Gericht sprach ihn wegen zweifelhafter Vorgehensweise des FBI von der Anklage frei. Im späteren Betrugsverfahren wurde er lediglich auf Zahlung von 9,36 Mio.$ verurteilt - lächerlich gegen die 100 Mio. Schulden.

Und heute? Heute ist jeder der rund 8000 gebauten DeLorean ein Klassiker. Denn wen die Götter lieben, geben sie eine zweite Chance!

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